Oxford

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Wie kann man Oxford in Worte fassen? Es ist so ein eigentümlicher Widerspruch.  Es streckt sich nach dem Himmel, mit fast jedem seiner Gebäude und den hunderten von gotischen Türmen, Türmchen, Dachspitzen, noch extra draufgesetzten Verzierungen. Alles greift nach oben, in die Wolken, möchte optisch noch höher sein als die eigentliche Struktur. Gleichzeitig liegt es ruhig und stabil in den gelblichen spätsommerlichen Wiesen, schon seit Jahrhunderten, und wird noch lange so entspannt in der lieblichen Landschaft träumen. Wenn wir uns zu Fuss näherten – nach einer langen Themse – Wanderung, oder nach einem kürzeren Spaziergang im Wildpark des Magdalen College – bot sich uns ein Anblick wie vor 200 Jahren. Oder 400 Jahren. Der jeweilige monumentale gelbe Sandsteinkirchturm, hohe Bäume, langsam gelb werdende, nicht gemähte Sommerwiesen, eine Herde weisser Rinder oder ein Rudel Rehe. Keine Autos, keine Busse. Vogelzwitschern statt Sirenen oder Hupen. Zeitloses Schlummern im spätsommerlichen Abendlicht. Trotz des gotischen Streckens und Reckens: selbstvergessenes in-sich-Ruhen, in grösst möglicher Schönheit und Gelassenheit. Versprechen von Schutz und Beständigkeit durch die vielen Zinnen und Mauern und Tore und die gigantischen alten Türschlösser.

Aber ist diese Ruhe und Unbeweglichkeit nicht eine optische Täuschung? Oxford wird umarmt von zwei Flüssen, die seit Urzeiten in Bewegung sind. Tag und Nacht in Bewegung. Bewegung, wenn der Mond scheint, Bewegung, wenn die Sonne darauf glitzert. Die Flüsse aus Wasser bleiben normalerweise vor der Stadt und in ihrem vorgezeichneten Lauf, ausser sie entscheiden sich für ein malerisches Hochwasser, das die Wiesen von Christ Church überflutet und Gelegenheit für ebenso malerische Spiegelungen bietet. Die Flüsse aus Menschen, hunderte, tausende, die auf der Suche nach Schönheit für einen Tag in die Stadt kommen, strömen wie eine andere Art von Hochwasser durch jede noch so kleine Gasse. Schwappen in die gotischen Prunktreppenhäuser mit ihren Fächergewölben, rauf auf die höchsten Türme, und gleich wieder hinunter und zur nächsten Sehenswürdigkeit. Und im Lauf der Jahrhunderte war Oxford Durchgangsstation für Tausende, Zehntausende von Menschen, die hier gelebt, gelernt, gelehrt haben und dann weitergezogen sind. Ständige Einzüge und Auszüge, ständig neue junge Gesichter. Wechsel als einziges kontinuierliches Element.

Und trotzdem: diese enorme Konstanz, Bewahrung und Pflege des Vorhandenen. Die Bibliothek, die seit Jahrhunderten jedes in England publizierte Buch aufhebt, angefangen mit ganz frühen, unendlich kostbaren Exemplaren, die sogar angekettet sind. Statischer geht’s kaum. Die zahlreichen Kapellen der Klöster, in denen während des Semesters teilweise seit 1350 tägliche Gottesdienste stattfinden und vor dem Abendessen die gesungene Vesper. Rituale auch im Zusammenleben der Studenten: die immensen gotischen Speisesäle, deren hohe Decken sich kirchenähnlich in der Dämmerung verlieren. Selbst bei nur bedecktem Himmel haben wir verstanden, warum die Tische gespickt sind mit kleinen Lämpchen, wie man sie eher aus Speisewägen kennt – bei Regen oder im Winter wäre es in diesen hohen Hallen sicher richtig dämmrig ohne kleine Extralämpchen. Das Gebet vor dem Essen, überhaupt das gemeinsame Essen zu festen Zeiten – Rituale, Bewahrung, Stabilität.

Dieses extreme Gefühl von Konstanz und Verlässlichkeit hatte ich selten. Nicht mal in Rom, der angeblich ewigen Stadt – man könnte meinen, dass hier die Kontinuität noch grösser und wichtiger ist, aber Rom hat unendlich viele verschiedene Gesichter und hat sich mit den Zeiten sehr geändert und ausgedehnt. Ich würde sagen, das Kontinuierlichste sind noch die orangen Bauzäune, die bei jedem Besuch ein bisschen gewandert sind. Oxford hingegen: es gibt Ecken, die vor 500 Jahren ganz genau so ausgesehen haben müssen. Nicht das kleinste Detail stört oder erinnert an die Zeit, in der wir eigentlich – ausserhalb von Oxford – leben (Apropos Zeit: die Glocken von Christ Church erklingen zur Lokalzeit, fünf Minuten nach Greenwich. Hier gilt der Sonnenstand und nicht irgendwelche neumodischen Vereinbarungen.).

Umso mehr kommt man sich als ganz vorübergehende Erscheinung vor, mit der Oxford leicht auch noch fertig wird. Wir sind längst wieder weitergegangen, irgendwann noch viel weiter gegangen und zu Staub verfallen. Die Bücher werden trotzdem in ihren ehrwürdigen alten Regalen schlummern, die Glocken nachhallen in den engen Gassen, und die Sonne wird in genau einem ganz gewissen magischen Moment das höchste Fenster der Seufzerbrücke in Flammen stehen lassen. Egal, was in der Welt passiert: Oxford wird sich, in Schönheit erstarrt, gleich bleiben. Wie eine wunderschöne Libelle, die unbeweglich in Bernstein eingeschlossen ist.

Und wenn ich bald wieder wie eine Blöde durchs Leben rennen werde und nicht weiss, wo mir der Kopf steht, werde ich kurz innehalten und daran denken, dass Oxford unbeeindruckt davon in seinen Wiesen schlummern wird. Dass die Schatten abends immer noch langsam über die sattgrünen Rasenflächen des Magdalen Colleges wandern. Wie wohltuend und idyllisch es war, an einem warmen Sommerabend nichts weiter zu tun als – den Schatten nachzuschauen und die Sonne noch ein letztes Mal durch einen hohen alten Baum blinzeln zu sehen.

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Eher profan

Jennifer Jones

Ein Freund, der als Arzt ständig mit Fakten und Daten zu tun hat und immer unter Zeitdruck lebt, meinte kürzlich zu mir: “Eigentlich führst du ein total musisches Leben. Du spielst gleich am Morgen Klavier, dann schreibst du deinen Blog, dann machst du diese leckere Orangenmarmelade hier und zwischendurch liest du ein Gedicht. Oder?” Oder – schon wieder in dreckigen Gummistiefeln am Wertstoffhof, schon wieder das staubige Katzenklo, der Abwasch, die Einkäufe – meistens kommt mir mein Leben so gar nicht musisch vor. Obwohl es im Grossen und Ganzen privilegiert und wundervoll ist, das ist mir schon klar. Und für Aussenstehende ist es sicher beneidenswert, wie viel  meiner Zeit ich mir frei einteilen kann, auch wenn die Nachmittage und Abende in einem engen Stundenplankorsett gefangen sind. Trotzdem kriege ich manchmal zu viel, wenn die Muse in küssender Absicht vorbeiflattert und ich merke, dass da eine Idee unbedingt weiterverfolgt werden muss, auch wenn ich überhaupt keine Zeit dafür habe. Das sind dann die Stunden, die ich abgekapselt und im Schaffensrausch verbringe, auch wenn anderes darunter leidet und ich manche Alltagssituationen mit mehr spontaner Disziplin als guter Vorbereitung hinter mich bringen muss. Nicht meinen Unterricht, natürlich nie… Aber ich denke nur ans Solistenkonzert kürzlich und meine Begleitaufgaben an dem Abend. Ich sage nur: Mendelssohnkonzert 3. Satz, Frühlingssonate 2. und 4. Satz. Nicht etwa mal die ersten Sätze, die jeder kann. Ein bisschen Aufregung darf ja sein im Leben.

Und freitags um 14 Uhr ist mein Leben definitiv nicht musisch. Wenn zu viele und zu kleine Kinder beteiligt sind, passt dieses Adjektiv nicht mehr. Klebrige Fingerchen, rauf- und runterkrabbelnde kleine dicke Beinchen, gelegentliches Wutgeheul gehören nicht in ein musisches Leben, oder? Und jede Woche denke ich wieder: Mist, ich bin falsch angezogen. Aber ich liebe den Freitag um 14 Uhr, grade weil es so unmusisch zugeht. An dem Tag fahre ich ausnahmsweise zu einer Familie, um mehrere der Kinder zuhause zu unterrichten. Normalerweise mache ich das aus Zeitgründen nicht, aber diese Familie hält mir seit unglaublich vielen Jahren die Treue, und mit jedem weiteren Kind haben sich die Chauffeurspflichten der Mutter vermehrt. Also komme ich. Und kriege die ganze Dosis ab. Bei dem Neunjährigen, den ich unterrichte, ist seit Jahren der kleinere Bruder dabei. Anfangs auf meinem Schoss und immer heftig atmend und rudernd, weil das alles so aufregend war für ihn. Er ist immer noch gern dabei, darf auch manchmal mitspielen, hat aber inzwischen einen eigenen Stuhl. Denn seit kurzem hat die dreijährige Schwester den Platz auf mir für sich beansprucht – ein kleines, feines Prinzesschen, das nie rudert, unhörbar atmet und unglaublich gesittet und hübsch auf meinem Schoss sitzt. Kürzlich gesellte sich noch eine Freundin meines eigentlichen Schülers zu uns für unser Ritual am Stundenanfang mit dem dicken Kinderliederbuch. Sie hing noch irgendwie links am Klavier. Ach so, und Katze Bonnie ist natürlich immer mit von der Partie. Sie sass hinten auf dem Klavierstuhl, als wir aus vollem Halse “Dornröschen” sangen. In dem Moment ging die Dame des Hauses am Klavierzimmer vorbei, sah die flüchtlingsbootartige Menschentraube am Klavier und meinte nur: “Ach du lieber Himmel.” Oh. Nicht musisch, definitiv. Aber trotz zerknitterter Kleider und etwas angestrengter Stimme: eine schöne Art von Alltag. Ich lebe viel weniger im Elfenbeinturm, als es von aussen so aussieht.

Foto: Pinterest, Actress Jennifer Jones and her sons

Mei…

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Vor zwanzig Jahren waren wir in einer traumhaften Tiffany-Ausstellung in Hamburg: die Räume des Museums waren schwarz, die wenigen, mit genügend Abstand aufgestellte Lampen leuchteten und schimmerten wie Juwelen. Selten hat mich eine Ausstellung so angesprochen und so tief berührt, und ich werde den ersten Eindruck, diese ultimative Verzauberung und Einlullung, nie vergessen.

Irgendwie hat sich die Idee, dass was Nützliches ja auch überragend schön sein kann, in einem Winkel meines verrückten Herzens eingenistet. Und die Überzeugung: wenn ich so eine Lampe hätte, wäre die schnödeste Umgebung abends wunderschön. Die Lampe würde zuverlässig alles verzaubern. Ich muss nicht hinzufügen, dass ich seit Jahren/ Jahrzehnten? auf den Seiten von Sotheby’s stöbere. Eine echte Tiffany-Lampe war schon immer komplett unerschwinglich. Aber die Preisentwicklung ist so atemberaubend, dass es garantiert eine der besten Investitionen der letzten Zeit gewesen wäre!

Ich hätte mich aktiv kümmern oder im Internet einen bezahlbaren Nachbau suchen können. Aber das ist zu unromantisch. Ich legte den Wunsch in die ganz untere Schublade zu den vielen anderen Träumen und dachte, meine Lampe wird mich schon finden. Ich lasse es darauf ankommen.

Und dann, eines Abends vor zwei Monaten, traf mich fast der Schlag, als ich abends durch die leere Altstadt ging und im kleinen Antiquitätenladen eine grüne Libellenlampe im Schaufenster stand. Ich hatte hier schon meinen grünen Ring gekauft und einen kleinen ovalen Goldspiegel. Ich würde gern regelmässig und viel mehr dort kaufen, aber… Seufz. Kaum zuhause, überfiel ich den Gatten mit einer ausufernden Geschichte darüber, dass endlich genau die richtige die Lampe für unseren Wintergarten da sei, unten in der Stadt. Ich war mir nicht sicher, ob er überhaupt zugehört hatte. Aber ich war fest entschlossen, morgen mein Konto abzuräumen – Benzin und Essen werden ohnehin überbewertet – und diese Lampe zu kaufen.

Und jetzt kommt der tragische Teil. Ich wollte um zehn am Laden sein, als allererste. Aber dann musste ich zum Wertstoffhof. Dann einen Parkplatz finden und tatsächlich noch schnell eine Breze kaufen, um Wechselgeld für den Parkschein zu haben. Dann in die Bank, und dann zum Geschäft laufen. Die Lampe war nicht mehr im Fenster. Und als ich reinkam, stand nur noch der massive Jugendstil-Metallfuss auf dem Ladentisch und die Inhaberin verpackte den Schirm in Folie. Grade war jemand dagewesen, um sie zu kaufen. Ich war relativ fassungslos. Es half auch nichts, dass ich ihr sagte, dass das eigentlich meine Lampe gewesen sei (wie konnte sie das übersehen?!). Und ob sie jemals wieder so eine reinbekomme? Und ob ich ihr meine Karte dalassen kann und sie sie dann sofort reserviert, egal welches Design? Sie lächelte etwas seltsam, als sie meinen Namen sah, und meinte: “Ich bin sicher, es wird bald so eine Lampe geben für Sie.” Und ich dachte noch, ob sie hier billige Nachbauten aus China verscherbelt, damit sie so selbstsicher so was sagen kann? Hätte am liebsten gefragt… aber ich schleppte geknickt die Kohle wieder zurück zur Bank und fuhr heim. War auch nicht überrascht, als einfach überhaupt keine Jugendstillampe mehr auftauchte in ihrem Fenster in den nächsten Wochen, weil – so was ist ja schon selten.

Jetzt kommt der romantische Teil. Taschentücher bereithalten. Denn: als ich letzte Woche Geburtstag hatte, stand die Lampe in unserem Wintergarten. Und ich hab erst mal geweint.

Aber jetzt wohnt sie bei uns. Und wird liebevoll hin- und hergeschleppt, obwohl sie so schwer ist. Eigentlich wollten wir an meinem Geburtstag abends essen gehen, aber ich war zu erledigt. Es war ein wahnsinnig turbulenter Tag gewesen, mit noch Extra-Nachholstunden und Unterrichten bis in den Abend, weil der Tag davor ähnlich turbulent war dank eines (zeitaufwendigen) Mini-Fernsehauftritts für den Kinderklaviersommer. Ich wollte nur noch ruhig dasitzen und nichts hören und das Haus nicht mehr verlassen. Und das taten wir, und um halb neun holte ich die Lampe raus auf die Veranda und stellte sie unter das Weinlaub der Pergola. Und wir hielten beide den Atem an, weil wir sie noch nie angeschaltet gesehen hatten und sie noch mal so viel schöner war, als ich erwartet hatte. Und sie sah perfekt aus, so draussen in der Natur, zwei Meter von unserem Teich, an dem exakt diese grossen grünen Libellen leben. So eine wunderschöne Einheit. Und es war allerbestes, meditatives Runterkommen nach einer übervollen Woche, einfach in der Dämmerung und dann Dunkelheit dieses Juwel von Lampe zu betrachten und sich zu freuen. Seither hatten wir sie jeden Abend auf der Veranda. Sie macht genug Licht zum Lesen, aber irgendwie verzaubert sie alles so, dass man sich gar nicht in andere Gedankenwelten begeben will, sondern glücklich ist, einfach im Hier und Jetzt zu sein.

Sommer wie 1685

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Ein perfekter, zeitlos schöner Sommernachmittag im Garten eines Barockschlösschens: ich würde ihn am liebsten in einem Parfüm einfangen. Hauptnote: frisch gemähtes Gras und Heu. Der betörend süsse Duft der Nachtkerzen am Kanal, und dazu ein Hauch Kolophonium (das lilane für Barockbögen…). Aber das Parfüm wäre leicht und vergänglich, wie der Sommer oder wie die wunderschöne, erfüllende Stunde mit Gambenmusik im Schloss Lustheim, die mich letzten Sonntag so herrlich aus dem Alltag gehoben hat. Denn: der Alltag einer Pianistin ist, entgegen dem, was der Name meinen könnte, überhaupt nicht leise. Und zur Zeit übe ich selber so viel, dass meine Ohren schon um elf Uhr morgens eigentlich bedient sind. Daher ist es der reinste Luxus für mich, zarte, halblaute Musik zu hören. Vor allem, wenn sie so elfengleich und perfekt gespielt wird wie letztes Wochenende von Friederike Heumann auf ihrer siebensaitigen Gambe und dem (leisen) Lautenist Fred Jacobs (was haben wir nicht für irreführende Bezeichnungen!).

Der Veranstalter betonte extra, dass sie das Ergebnis des zeitgleichen WM-Finales in keinster Weise beeinflussen wollen mit dem rein französischen Programm, aber… Frankreich war definitiv um 1700 Weltmeister, was die Literatur für Viola da Gamba betrifft. Atemberaubend schöne oder virtuose Stücke von Couperin und Marais erklangen in der perfekten Akustik des Festsaals in Lustheim, und ich war restlos glücklich, weil Musik, Architektur und Instrumente so eine stimmige Einheit bildeten und man wirklich vergessen konnte, in welcher Zeit man lebt.

Die noch bessere Zeitreise gab es allerdings nach dem Konzert, mit den schönen delikaten Klängen noch im Ohr. Meine Freundin und ich schlenderten nicht vor dem Schloss im wunderschön bepflanzten Barockgarten mit Blick aufs neue Schloss, sondern dahinter. Hier war ich noch nie gewesen. Auch noch mal ein grosser Park, und die ursprüngliche Barockanlage war deutlich erkennbar durch Alleen, Hecken und Kieswege. Aber statt prachtvoll angepflanzter Rabatten durfte die Natur die freiliegenden Flächen geordnet zurückerobern – überall wuchs das Gras kniehoch, die wunderschönsten, unberührten Sommerwiesen, wie man sie kaum noch wo findet. Und auch hier: Zeitlosigkeit. Egal, in welche Richtung man sich drehte: 1685 kann es nicht viel anders ausgesehen haben. Am halbkreisförmigen Kanal mit den fein verschnörkselten Brücken: kniehohe Pfefferminze und schulterhohe Nachtkerzen in rauhen Mengen. Wir verliessen den Pfad und bahnten uns einen Weg durchs kitzelnde Gras, um an den Nachtkerzen zu schnuppern. Sie waren zu der frühen Abendstunde nicht mehr ganz auf der Höhe, duftmässig, aber wir bekamen eine Ahnung davon, wie süss und schwer sie in ein paar Stunden duften würden. Und ich dachte: ja, das, und dazu ein bisschen harziges Kolophonium…

Foto: mapio.net

Vom Inn an die Seine: “C’est compliqué!”

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In Paris habe ich fünfzehn Zentimeter Haarlänge hinter mir gelassen und jede Menge Stress. Ich fühlte mich nach dem Friseurbesuch ein Kilo leichter, weil ich die leichte Sommerbrise auf meinem Nacken spüren konnte. Seltsamerweise schiebt man oft aus Zeitmangel genau die Dinge auf, von denen man weiss, dass sie einem gut tun würden – Bewegung draussen, einen Anruf bei einer Freundin, einen monatelang überfälligen Friseurbesuch, nach dem man sich endlich wieder wie ein Mensch fühlt. Der grosse Luxus in den wenigen Tagen in Paris war, dass wir ohne Stundenplan, überhaupt ohne grossartige Pläne leben konnten. Ziel war laut meiner Freundin das “Eintauchen” ins französische Leben, und ich würde sagen, das ist uns sehr gut gelungen. Mit ihr ist aber auch Spontaneität möglich wie mit kaum jemand anderem: wir haben uns oft spontan getrennt für ein paar Stunden, weil eine von uns was Bestimmtes machen wollte, und genau so unkompliziert vier oder fünf Stunden später wieder irgendwo getroffen. Und das Spannende war: ich war komplett unproduktiv und genau so spontan in dieser Zeit. Hatte unser Motto anscheinend gut verinnerlicht. An dem einen Tag wollte ich das Wohnhaus von Victor Hugo anschauen, was ich auch tat (kurz zum Museum: zu einer anderen Jahreszeit vielleicht gemütlicher? Jetzt war es aus irgendeinem Grund überlaufen von laut diskutierenden Südamerikanern. Auch wenn Hugo auf 260 Quadratmetern nicht grade beengt wohnte, war es bei der Sommerhitze einfach zu voll und zu stickig. Ausserdem liessen sich diese Südamerikaner alle einzeln und enthusiastisch grinsend vor Hugo’s Sterbebett photographieren, was mich etwas wunderte. Genau so absurd war es, als ich das Klavier im Wohnzimmer genauer betrachten wollte und ein freundlicher Wärter zu mir kam und mich aufklärte, dass das nicht Hugo’s Klavier sei. Kam mir etwas vor wie in einem absurden Film…) Aber als wir uns abends wieder trafen, konnte ich meiner Freundin nicht genau erzählen, was ich mit den restlichen Stunden angestellt hatte. Ich hatte mich komplett treiben lassen und nicht bemerkt, wie die Zeit verging. Ich hatte nichts gekauft ausser einer Flasche Wasser und fünf Aprikosen. War in einem Café gewesen, am wunderschönen Place des Vosges lange unter den Bäumen im Schatten gesessen (allein deshalb sollte man eigentlich nach Paris fahren) und ansonsten im Marais rumgestromert. Ich hatte vorgehabt, ohne meine Freundin in die Buchläden auf der anderen Fluss-Seite zu gehen, um ihre Geduld nicht zu sehr auf die Probe zu stellen, und ich war immer wieder nahe an einer der Brücken, die mich hinübergeführt hätten, aber – ich hab mich in dem alten Viertel mit seinen niedrigeren Häusern und kalenderwürdigen Innenhöfen so wohlgefühlt, dass ich einfach nur rumgeschlendert bin. Und im Nachhinein kann ich sagen, dass dieser Nachmittag Erholung pur war.

Genauso wie der Friseurbesuch am nächsten Morgen. Erstens liebe ich es, zum Friseur zu gehen, und es macht drei Mal so viel Spass, das in Paris zu tun… Und dummerweise bin ich auch an einen sehr sympathischen, fähigen Friseur geraten, der meine Haare so behandelt hat, wie sie behandelt werden wollen (nämlich: das tun zu dürfen, was sie wollen. Auch spontan sein und nicht glattgeföhnt zu werden). Er hat zwar eine äusserst seltsame, von mir noch nie erlebte Schnitt-Technik angewendet, aber das Ergebnis macht mich sehr glücklich. So sehr, dass ich dem amüsierten Gatten verkündete, dass ich ab jetzt nur noch in Paris zum Friseur gehen kann. Zu Not auch mal in London, wenn wir im Sommer dort sind, denn dort gibt es diese Salons auch. Und sicher kann kein anderer diese Schnitt-Technik.

Aber lieber würde ich in Paris gehen, weil man den Friseurbesuch wunderbar für dringend notwendige Konversationsübungen nutzen kann. Vor allem, wenn man so ein freundliches, entspanntes Gegenüber hat. Er kommentierte einen monumentalen Fehler – also einen von denen, die ich selber bemerkte – mit: “Das ist nicht schlimm, es ist ja kompliziert.” Und das war pädagogisch unglaublich wertvoll. Es war aufmunternd, nahm Druck von mir und bewirkte, dass ich unbefangen weiterredete. Weil – es ist kompliziert. Nicht nur das Französisch-Sprechen. Eigentlich das ganze Leben, und es wird jedes Jahr noch komplizierter, wie es mir vorkommt. Fehler sind unausweichlich. Aus Stress, aus Überforderung, aus Unaufmerksamkeit, weil man schlecht geschlafen hat, aus Ungeduld – manchmal ist es kompliziert, überhaupt aufzutauchen und das zu tun, was von einem verlangt wird. Und nicht nur für mich, sondern ganz sicher auch für meine Schüler. Es ist wahnsinnig entspannend, dann zu denken: es ist kompliziert, ich kann es wahrscheinlich nicht gleich perfekt abliefern, aber ich versuch’s trotzdem.

Nach dem Friseur ging ich eine Stunde durch St. Germain-des-Prés spazieren, kaufte drei Briefmarken und guckte mir einfach die Leute um mich herum an. Und fragte mich: lebt der auch so? Und diese da, sie sieht so entspannt aus, denkt sie auch: ist nicht schlimm, ist ja kompliziert? Und abends, als wir in einer Bar eine Käseplatte teilten und Wein dazu tranken, fragte ich mich auch, ob der oder jener dieses französische Geheimnis verinnerlicht hatte. Man sieht auf jeden Fall wenig verbissene Gesichter und spürt wenig Eile oder Hektik. Vielleicht, weil ich selber im Urlaubsmodus war. Vielleicht, weil die Franzosen einfach generell entspannter sind. Auf jeden Fall ist es eine Haltung, die ich in meinen Alltag retten will. Mal sehen, wie’s klappt, wenn wieder alles drunter und drüber geht.

Vom Inn an die Seine: Ein Atelierbesuch

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Gestern habe ich mit einem Schüler sein Aufgabenheft durchgeblättert, um zu schauen, wann er ein bestimmtes Stück gespielt hat. Ich fand den Eintrag und sagte:

“Da, schau, März 1917, da haben wir den Debussy gemacht.”

Er: “Im März 1917 war ich noch nicht bei Ihnen.”

Ich halte ihm verwirrt das Heft hin:

“Aber da steht…?”

“Ausserdem war 1917 gar kein gutes Jahr.”

Es dauerte immer noch etwas, bis ich kapierte. Der Gatte hat mich kürzlich ermahnt, ob ich nicht das Jahrhundert dazu sagen kann, wenn ich ihm was erzähle, statt nur “Fünfziger Jahre” oder so zu sagen. Jetzt versuch ich’s mal, und – auch verkehrt. Aber seit ich in Paris im Rodin-Museum war und im Atelier eines seiner Schüler, hänge ich etwas in der letzten Jahrhundertwende fest. Auch gedanklich, wie ich feststellen musste… (Es ist aber auch verblüffend, wie die Zeit rast, oder?)

Der Grund, warum ich festhänge, sind nicht nur die eindrucksvollen Statuen Rodins, sondern auch der nicht weniger eindrucksvolle Besuch im Musée Antoine Bourdelle, mit dem ich den Rodin – Tag startete. Das ist eine wunderbare Kombination, die man auch theoretisch leicht zu Fuss machen könnte, wenn man es vorher kapiert hätte – von der Rue Antoine Bourdelle am Tour Montparnasse zur Rue de Varenne bräuchte man etwa 25 Minuten, durch eines der schönsten Viertel von Paris. Mir liefen auch in beiden Museen die gleichen Japaner vor der Kamera rum und umgekehrt – ein beruhigendes Zeichen, dass man die Hauptsehenswürdigkeiten gewissenhaft abklappert…

Die Skulpturen Bourdelles sprachen mich ehrlich gesagt nicht so unmittelbar an wie die seines Lehrers, da sie leicht ins Gigantische gehen und für mich einen Hauch faschistische Ästhetik hatten, obwohl er bereits 1929 starb. Einfach – sehr gross, sehr vereinfachte und grobe Züge, Verherrlichung von körperlicher Kraft und Kampfbereitschaft. An sein Wohnhaus, in dem das Museum untergebracht ist, ist ein sehr grosser Ausstellungsraum angebaut mit dem Charme einer deutschen evangelischen Kirche, auch mit einer Art Chorraum, in dem die übergrossen Skulpturen untergebracht waren. Das hat mich, wie gesagt, nicht unbedingt umgehauen. Es war interessant, zu sehen, wie weit sich Bourdelle von seinem Lehrer entfernt hat und dass er eine ganz eigene Ausdrucksart gefunden hat. Aber dann – durch den rosenbewachsenen Innenhof, in dem auch etliche Skulpturen zwischen den Blüten stehen und Bänke zum Verweilen einladen – und durch eine kleine Passage in einen zweiten Innenhof, und in der Passage eine unscheinbare, geschlossene Tür mit einem kleinen Schildchen “Atelier”, das man fast übersehen könnte. Und weil ich neugierig bin (und mich grad keiner sehen konnte…), hab ich an die Tür gedrückt, und – sie ging auf…

Und jetzt wurde es richtig spannend. Das ist auch der Grund, warum ich im Jahr 1917 festhänge: der grosse, dämmrige Raum mit der hohen Fensterfront nach Norden wirkte, als hätte ihn Bourdelle eben erst verlassen, um vielleicht Pause zu machen. Ein perfekt eingerichtetes, grosses leeres Atelier, mit einem wunderschönen alten Fischgrat-Holzboden, verschiedenen Büsten auf Tischen und Sockeln, einem kleinen, runden Holzofen mit einem windschiefen Ofenrohr, alte, grosse Tische, denen man ansieht, dass sie benutzt und zerkratzt wurden… Ich hab wirklich den Atem angehalten, weil es sich anfühlte, als ob man in eine andere Zeit eintritt. Oder in eine perfekte Filmkulisse. Und ich ging allein über den leicht knarzenden Boden und konnte so richtig vergessen, dass draussen am Boulevard Montparnasse der Verkehr toste und irgendwo unter uns die Metrolinien verliefen – es war ein unerwarteter Ausflug in eine andere Epoche. Und allein wegen dieses intakten Ateliers und der magischen Atmosphäre dort lohnt es sich, in dieses Viertel zu pilgern.

Vom Inn an die Seine: Verbundenheit

 

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Die vier Tage in Paris mit der besten Trauzeugin von allen waren wieder eine Genussreise allererster Güte. Im Rückblick frage ich mich, wie wir es geschafft haben, so viele kulinarische Erlebnisse verschiedenster Art in den paar Tagen unterzubringen, gleichzeitig die französische Wirtschaft anzukurbeln und auch noch den Fuss in einige Museen zu setzen. Es waren übervolle, strahlende Tage bei allerbestem Wetter. Die Rosen blühten in einer Pracht, die unvergesslich bleibt. Von allen Seiten stürmten Eindrücke und Inspirationen auf uns ein. Aber was bleibt, wenn man die ganzen wunderbaren Erlebnisse filtert, wenn man entscheiden möchte, was am Allerschönsten war – das war das Musée Rodin, und dort die weltbekannte, oft kopierte, hunderttausendmal gesehene Skulptur “Der Kuss”. Und die erstaunliche Einsicht, dass sich dieses Erlebnis so ins Herz eingebrannt hat. Das ist ungefähr, als würde man auf einmal die “Mona Lisa” schön finden. Was ist los?! Passe ich mich auf meine alten Tage noch dem Mainstream – Geschmack an?

Vielleicht lag es auch daran, dass dieser Museumsbesuch einer der wenigen auch optischen Ruhepunkte in dieser quirligen Stadt war. Selbst im Park vor dem Museum wurden wir noch überfallen von einer unerhörten Rosenfülle, eine schöner als die andere, und keine Farbe oder Sorte doppelt. Von Weiss über alle Rosa- und Gelbtöne bis zum tiefsten Lila war das ganze Spektrum vertreten, und es war ehrlich gesagt eine Farbattacke vor dem tiefblauen Himmel, die man erst mal verarbeiten muss. Und dann innen diese unglaubliche, weiss – schimmernde Skulptur der beiden Liebenden, die seit über hundert Jahren in ihrer innigen Umarmung verharren und einfach – still sind. Scheinbar unbeweglich, obwohl die Muskeln und Sehnen so wirken, als ob sie sich gleich weiterbewegen würden. In genau diesem Moment eingefangen und dafür bestimmt, sich in alle Ewigkeit zu küssen. Nicht davor in der ganzen Ungeduld und dem Herzklopfen, das dem Kuss sicher vorausging, oder danach, wenn es noch inniger und aufregender wird, sondern – der Kuss ist das Ziel und die Erfüllung. Das hat mich unglaublich berührt und glücklich gemacht. Ausserdem ist es ja nicht irgendein schnöder Kuss, sondern ein Symbol für die ultimative Verschmelzung und das komplette Einswerden mit einem anderen: die Körper der Figuren sind deutlich bis ins kleinste Detail dargestellt, jeder Finger, jede Zehe, jeder Muskel am Rücken. Aber bei den Gesichtern “zoomt” sich Rodin raus. Sie sind schon auch deutlich zu erkennen, trotzdem erscheinen sie wie in einem Zustand der Auflösung, des Ineinander-Übergehens. Die Körper gehören zwei Individuen, die Köpfe scheinen eins zu werden.

Ich hatte Bedenken, ob es nicht zu intim wäre, so eine Statue anzuschauen. Es gibt ja definitiv im Museum Momente, in denen man sich als ungebetener Eindringling fühlt und sich fast dafür entschuldigen möchte, dass man in diese Szene reingeplatzt ist. Mir geht es hauptsächlich so, wenn jemand auf einem Bild trauert oder verzweifelt ist, gar nicht unbedingt in solchen extrem erotischen Situationen wie dieser. Trotzdem habe ich mich gewundert, dass ich relativ wenig Hemmungen hatte, genauer hinzuschauen und mich auch räumlich so nah wie möglich zu den beiden zu gesellen. Bei aller Mystik und allem Zauber und aller Zweisamkeit: ich glaube, Rodin wollte diese starke körperliche Verbindung auch feiern und unsterblich machen. Sichtbar machen und aus der Intimität herausheben als Symbol für – hm. Die Notwendigkeit, viel und oft zu küssen? Den Fortbestand der Menschheit? Oder – dem wunderbaren Gefühl, nicht allein zu sein, sondern in Verbindung mit anderen zu stehen?

Denn: wenn man an andere berühmte Statuen denkt, stellt man fest, dass sie ein sehr einsames Leben auf ihren Sockeln führen. Von ganz wenigen berühmten Gruppen abgesehen, ist doch meistens ein einzelner Mensch, Held oder Gott dargestellt. Und haufenweise Krieger, Kämpfer, Feldherren. Michelangelo’s David steht für Mut und Kraft, der Belvedere-Apollo für Schönheit. Nelson, Bismarck, Max von Bayern, Ludwig der 14. – alles Einzelleistungen, und alle wären furchtbar einsam ohne die gelegentliche Taube auf dem Kopf. Aber die beiden Küssenden dürfen für den Rest der Zeiten zusammen sein und ihre Verbundenheit geniessen. Was für eine nette Nation, die so einen Moment auf diese Art feiert und ausstellt (die Statue wurde vom französischen Staat in Auftrag gegeben).

Und eigentlich will das doch im Grunde seines Herzens jeder Mensch, damals und heute: nicht isoliert zu sein, sich nicht einsam zu fühlen, sondern eine Verbindung zu anderen zu spüren. Es muss ja gar kein monumentaler, film- oder museumsreifer Kuss sein. Es muss gar keine wirkliche körperliche Berührung sein, sondern das Gefühl, wahrgenommen zu werden. Die vielen Augenkontakte, die man in Frankreich so viel einfacher hat – vielleicht laufe ich hier auch anders durch die Gegend, weil ich weiss, dass die meisten Menschen abweisend reagieren oder den Blick senken. Aber mir ist schon vor zwei Jahren in Paris aufgefallen, dass Männer gern einfach gucken. Jetzt bin ich noch älter und runzeliger, und – sie gucken trotzdem. Mit Absicht und einem halben Zwinkern. Und komplett harmlos, einfach als Spiel. Hier passiert mir das nie.

Oder auch die Tatsache, wirklich wahrgenommen zu werden als die, die man ist, und auf diese Art eine Verbindung zu anderen aufzubauen. Selbst wenn sie hauptsächlich kommerzieller Art ist und quasi zum Geschäft gehört, aber es ist nett, wenn eine Verkäuferin wirklich hinguckt und sagt: also, mit Ihrer Haarfarbe… Oder der Buchhändler im vollgestopften “Abbey Bookshop”, der mich fast verschwörerisch fragte, ob ich eine seriöse Leserin sei und mich dann über eine halsbrecherische, enge Treppe in den noch vollgestopfteren Keller führte, in einen Raum, in dem man sich fast nicht mehr umdrehen konnte, und zu meinem Entzücken antiquarische Sekundärliteratur zu E. M. Forster zutage förderte – mit Preisen noch in Francs… Und der Bemerkung, dass diese Bücher genau auf mich gewartet haben. Guter Geschäftssinn, aber auch sehr beglückend, in diesem jahrhundertealten Gewölbekeller einen Freudenanfall zu bekommen (glücklicherweise war das vor dem Crepe – ich konnte wahrhaftig nur noch seitlich durch die Regalreihe da am Ende. Nichts für Leute mit Platzangst!). Es mag bescheuert klingen, in so einer Stadt nicht einfach mal was ganz anderes zu lesen zu kaufen, oder gar was Französisches, aber es fühlt sich auch gut an, an dem Netz weiterzuarbeiten, das man zuhause begonnen hat und so besondere Fäden dazuzuknüpfen. Auch das ist eine Art von Verbundenheit, die dazu beiträgt, dass man sich nicht isoliert fühlt. Und viel besser und spannender, als wenn ich Bücher hier vor dem Computer bestelle. Auch wenn ich fast steckengeblieben wäre in dem Laden…

 

Eine Generation von…?

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Vielleicht erinnert sich jemand, dass ich im Herbst fast in Therapie musste, weil ein Mädchen während des benoteten Vorspiels geweint und weitergespielt hat. Dass Schüler bei mir im Unterricht weinen, ist glücklicherweise immer noch so selten, dass es mich ziemlich verstört. Aber die letzte verrückte Woche hat mich abgehärtet: vier haben geweint, aber richtig. Und ganz klar aus Leistungsdruck – Gründen. Denn wir hatten wieder Gruppenvorspiel – Woche, und irgendwie kam das wieder so überraschend. Wie Weihnachten, oder Muttertag. Und die hohe Anzahl der in Tränen – Zerflossenen lag auch daran, dass ich die Schüler eines abwesenden Kollegen mitprüfen musste – also 43 insgesamt. Prozentual sind die Nervenzusammenbrüche fast noch im Rahmen. Aber trotzdem ungewöhnlich und schon fast verstörend – wenn ich mich nicht doch fragen müsste, woher es kommt.

Erst mal die gute Nachricht: es weinte keiner während des Spielens. Das hätte ich echt nicht nochmal gepackt. Aber danach, und umso ausdauernder. Ich hatte zum Beispiel die schwere Aufgabe, einem Mädchen zu verkünden, dass es eine 1 hat – worauf sie in Tränen ausbrach und überhaupt nicht mehr aufhörte. Und ich mir langsam nur noch an den Kopf fasste. Denn die anderen Verzweifelten weinten genau so grundlos und wahrscheinlich hauptsächlich aus pubertäre Verwirrung. Eine nannte mir auch den Grund ihres Zusammenbruchs: “Ich hab Hormone!” Ach ne. (Das ist übrigens neu in meinem Schülerkreis – dass Hormone als Krankheitsbild genannt werden. Wie Kopfweh oder Bauchweh. Hat bisher nix genutzt, wenn ich das erklärt habe.) Und der war besonders heftig. Nachdem ich die zweite Taschentuchpackung angerissen hatte, fragte ich in der Pause einen hauptamtlichen Kollegen, ob irgendwas los sei an der Schule, weil grad alle zusammenbrechen. Er meinte ganz trocken: “Wir ziehen da eine Generation von Memmen gross.” Und liess sich darüber aus, dass die Anmeldezahlen für unsere Montagskonzerte stetig zurückgehen, während die Selbstdarstellung in den sozialen Medien zunimmt. Jeder möchte gern im Mittelpunkt stehen, bewundert und geliket werden – aber bitte ohne Leistung und Anstrengung. Da ist ganz sicher was dran. Und er meinte auch, der Nachahmungseffekt spiele eine Rolle – wer von uns, also der älteren Generation, hat denn jemals in der Schule geweint? Ich ganz sicher nicht. Das war einfach nicht üblich. Und auch wenn ich sonst absolut dafür bin, dass meine Schüler einen Zugang zu ihren Gefühlen haben und die auch ausdrücken können – könnten wir das nicht bitte am Klavier sublimieren? Wär auch besser für die Umwelt als diese Tonnen an Wegwerf-Taschentüchern…

Was diese emotionalen Ausbrüche auch zeigen, ist ein anderes beklagenswertes Phänomen, und das meine ich jetzt ganz ohne Ironie: viel zu viele Kinder sind mit dem Gymnasium überfordert und einem ziemlichen Druck ausgesetzt. Der beginnt oft schon vor dem Übertritt, wenn sie wirklich noch Kinder sind, und manifestiert sich dann in solchen Verzweiflungsausbrüchen. Mit zwölf Jahren. Die armen Kinder. Das ist tatsächlich anders als zu meiner Zeit. Aus meiner Grundschulklasse gingen vier Leute aufs Gymnasium, und wir waren irgendwie alle bereit, die Zähne zusammenzubeissen. Heutzutage, würde ich sagen, gehen vier NICHT aufs Gymnasium. So kommt es mir zumindest vor, denn wir schleppen eine lange Latte an Kindern mit, die dekoriert sind mit einem Wust an psychologischen Gutachten über ihre Lern – und Verständisdefizite, die wir bitte bei der Benotung respektieren sollen. Diese Kinder sind konstant überfordert und werden drei Jahre mehr oder weniger gequält, um dann endlich auf die Realschule zu dürfen. Hätte auch einfacher gehen können, zumal man ja auch nach der Realschule wunderbar Abitur machen könnte…

Zwei weitere Highlights der Woche waren, dass unser Schulleiter seinen fälligen Beurteilungsbesuch bei mir ankündigte. Grade ist wirklich so viel los, dass das auch schon egal war. Vor zwanzig Jahren rief eine solche Ankündigung eine fieberhafte, perfekte pädagogische Vorbereitung des möglicherweise errechneten Tags hervor: was ziehe ich an? Und sollte ich mir einen dezenteren Lippenstift kaufen? Jetzt hab ich nur zwei Extrapackungen Taschentücher eingepackt und inständig gehofft, dass die Kinder sich wenigstens vor ihm zusammenreissen.

Und dann wurde ein Schüler während des Unterrichts von der Polizei rausgeholt, weil er tatsächlich was ausgefressen hatte, wie ich danach erfuhr. Das hatte ich auch noch nicht erlebt, und ich konnte es mir nicht verkneifen, bei seiner Rückkehr zu sagen: “Ich hab dir doch gesagt, du sollst dis spielen!” Die Chance hat man als Klavierlehrer doch zu selten. Er war etwas weiss um die Nase, aber – keine Tränen. Trotzdem war die Klavierstunde gelaufen, weil er die ganze Zeit darüber reden wollte. Das mit dem dis ist immer noch nicht angekommen, fürchte ich.

Ach so, und unser jährliches Klassenkonzert war auch noch. Das musste ich einfach mit links machen, weil so viel anderes auf mich einstürmte. Aber ich darf stolz verkünden, dass ich die ganze Woche keinen Zusammenbruch hatte. Wahrscheinlich, weil ich einfach kein Zeitfenster zum Weinen hätte.

Bis – ja, bis ich nach dem Konzert von Erding heimfuhr und mir in der milden Maidämmerung kurz vor Wasserburg ein neues Hinweisschild auffiel: die B304 wird gesperrt. Das war zu viel. Es gibt seit 12. März eine Umleitung der B12 wegen Bauarbeiten, die jetzt noch bis 18. Mai ausgedehnt wurde. Das hiess, immer zehn Minuten früher los, in Wirklichkeit 15, weil es bei Hohenlinden einen bislang unüblichen Stau gibt. Kurz nach den Osterferien begannen dann Bauarbeiten und Vollsperrung der B15 bei Wasserburg. Der Rückstau beeinträchtigte auch meinen Schulweg – nochmal fünf Minuten dazu. Und jetzt der Bahnübergang Reitmehring – das bedeutet eine wirklich riesige Umleitung quer durch die Pampa. Ich war am Ende. Hatte Hormone und Verzweiflung gleichzeitig und nur noch ein Taschentuch für mich übrig… Zeit, dass die Ferien kommen!

William Gillock

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Seit ich bei meinem damaligen Lehrer die Zeitschrift “ClavierCompanion” kennengelernt habe, wollte ich auch ein Abonnement. Denn bei ihm standen gefühlte Meter um Meter dieser Zeitschrift wohlgeordnet im Regal, und er wusste sofort auswendig, wo dieser Artikel ist, der mich gerade weiterbringen würde. Und er zog die schmalen Hefte immer vorsichtig mit seinen eleganten langen Fingern aus dem Regal, um sie uns zu leihen, und deshalb gingen wir auch immer sorgfältig damit um – weil wir so vorgelebt bekamen, dass sie was Besonderes sind.

Ich weiss gar nicht, wie lange ich mein luxuriöses, zeitverzögertes Übersee-Abo schon habe. Die Regale füllen sich auf jeden Fall auch bei mir. Und zu den aktuellen Heften habe ich mir über die Jahre alte Jahrgänge gekauft. Wie bei allem, was so erscheint – Reiseführer, Unterrichtsliteratur und so fort – bin ich überwältigt von der Qualität und dem Gehalt der Artikel aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. Das Heft ist immer noch gut, keine Frage, aber diese alten Artikel toppen alles. An manche habe ich mich tatsächlich aus meiner Studienzeit erinnert, so eindrucksvoll und informativ sind sie.

Wie es sich erklären lässt, dass das geschätzte und mit Sehnsucht erwartete Heft dann monatelang auf dem Stapel mit anderer Fachliteratur liegt, ist etwas rätselhaft. Anfangs war es ganz sicher dieses “die beste Praline bis zum Schluss aufheben” – Gefühl – ich wollte das geliebte Heft nicht zu schnell durchgelesen haben. Aber irgendwann kam das nächste… und dann was anderes zwischendurch… Und so erzeugt man über die Jahre einen künstlichen Überhang und hinkt den aktuellen Ereignissen etwas hinterher.

Deshalb habe ich meinen Schülern eines Tages im Frühling verkündet: “Wir feiern dieses Jahr den 101. Geburtstag von William Gillock!” Kindern ist es glücklicherweise egal, ob das unrund klingt. Und 100 oder 101 – alt ist alt. Sie nahmen diese Unregelmässigkeit stoischer auf, als ich erwartet hatte. Wunderbar. Aber die nächste Frage war die, die sich wahrscheinlich alle stellen: wer ist William Gillock?!

Deutsche Klavierlehrer kennen ihn wahrscheinlich nur von zwei Stücken: Der “Fiesta” im “Tastenkrokodil” und “Blue Mood” in “Toll in Moll”. Zumindest ging es mir jahrelang so. Vielleicht hat es Urheberrechts-Gründe, warum so wenig von ihm in Sammlungen abgedruckt wird. Aber es ist schade, denn es gibt Wunderbares von ihm zu entdecken! Und so enorm viel davon! Nach dem informativen Artikel in meiner Zeitschrift habe ich mir die neu aufgelegt, dicke “Recital Collection” angeschafft, die mehrere andere Hefte ersetzt und wirklich alles bietet, was das Herz begehrt. Das perfekte Heft für Einsteiger, sozusagen.

William Gillock begann mit fünf Jahren, Klavier zu spielen, weil in seinem Elternhaus ein schönes altes, verschnörkseltes Instrument stand, das ihn faszinierte. Er erreichte keine grossartigen Ehren oder gut bezahlte Positionen an Universitäten, sondern führte ein eher bescheidenes, aber enorm produktives Leben als privater Klavierlehrer. Von Beginn an schrieb er Stücke für seine Schüler, für Anfänger sowohl als auch Fortgeschrittene, und befindet sich damit in der Tradition der reinen Pädagogik-Komponisten, die in meiner Achtung sehr hoch stehen. Es kennt sie zwar kaum einer, und es muss deprimierend sein, wenn man im Himmel auf seiner Wolke sitzt und ständig mitanhören muss, dass ein “Wer?” hinter den eigenen Namen gesetzt wird, aber – was für ein Segen für uns Lehrer! Ich bin ein ganz grosser Fan von Leopold Mozart, Friedrich Burgmüller, Stephen Heller und Dimitri Kabalewksi (es gibt sicher noch mehr, aber das sind die Pädagogik-Komponisten, die mir auf Anhieb einfallen, weil sie unser täglich Brot sind). Und Gillock wird von nun an definitiv dazugehören. So wichtig es ist, Kinder so früh wie möglich in Berührung mit richtig guter Musik und Originalkompositionen zu bringen, so wichtig ist es, die passende Brücke für den Übergang zu finden. Und Gillocks Stücke sind wie eine breite, gemütliche Brücke, auf der man sich lange aufhalten und in alle Richtungen gucken will, weil sie so viel Freude machen und so schön klingen.

Gillock sagte selber, dass es ihm ein Anliegen war, in verschiedenen Stilen zu schreiben, um die Schüler auf diese Komponisten vorzubereiten. Es gibt zum Beispiel das zart verwobene “Festive Piece” als Hinführung zu Bach oder Scarlatti, oder das geniale und offensichtlich viel geliebte “Fountain in the Rain”, das man stellenweise mit Ravel verwechseln könnte. Und er wollte, dass die Stücke von Anfang an pianistisch klingen, und das meistert er auf eine Art, die mich sehr fasziniert. Sehr originell und speziell, aber man findet alle Elemente, die man später als Pianist so braucht, und man kann wunderbare kleine Lerneinheiten daraus machen und den Schülern wichtige Konzepte nahebringen, ohne dass sie mitkriegen, dass sie grade etwas Elementares oder eigentlich Schweres lernen: Dreiklänge und ihre Umkehrungen, die kreative veschoben und gerückt werden, die verschiedensten Tonleitern in virtuosen kleinen Ausschnitten (die so Spass machen, dass die Schüler von selber üben wie wild. Wirklich.), wogende Arpeggien über’s ganze Klavier, die gar nicht so schwer sind, wie sie sich anhören, leichtes und schnelles Überkreuzen und Ablösen der Hände, eine ausdrucksvolle Melodie mit einer flirrend leichten Begleitung, die leise sein soll… Kurz, alles, an dem wir sonst mit Schumann und Haydn und Debussy scheitern, erscheint in Gillock einfach und machbar. Es ist ein Rätsel. Oder ganz einfach? Für das andere war es zu früh, und der entscheidende Zwischenschritt hat gefehlt? Auf jeden Fall ist es enorm erfreulich für uns Lehrer.

Und was sagen die Versuchskaninchen? Die Reaktion meiner Schüler war die ultimative Bestätigung, dass Gillock so viel Spass macht, wie ich selber ihn schon beim Ausprobieren der Stücke hatte. Ich habe also sorgfältig unser Konzert zum 101. Geburtstag geplant und meinen Schülern vor den Osterferien die unterschiedlichsten Stücke aufgegeben, ein repräsentativer Querschnitt durch Gillock’s Werk, machbar für alle vom Grundschüler bis zum 18jährigen. In der nächsten Woche kamen die ersten drei ganz begeistert an und sagten, dass sie ganz viel geübt hatten, weil es so Spass gemacht hat. Sind ohnehin brave Kinder, also dachte ich mir nichts. Am nächsten Tag wieder drei begeisterte neue Gillock – Fans. Beim neunten Kind, das geübt hat und alles richtig und flott spielt, wird einem ein bisschen zweierlei, weil man denkt, das geht nicht mit rechten Dingen zu. Sagt zu einem Kollegen verstört in der Pause: “Irgendwas stimmt nicht. Meine Schüler üben auf einmal.” Sein Kommentar: “Gib sie mir, wenn du sie nicht mehr willst.” Beim zwölften Kind in der einen Woche ist man nur noch fassungslos, aber restlos beglückt und kapiert: das ist Gillock. Jetzt weiss ich, wer er ist. Ein Zauberer.

Ich denke, was meine Schüler so angesprochen und motiviert hat, war die überraschende Tatsache, dass ihre Stücke auf einmal richtig gut und “erwachsen” klingen. Und sich sehr gut unter den Fingern anfühlen. Und: sie lieben die phantasievollen, ungewöhnlichen Titel. Kein Menuett, Etüde, keine Sonatine mehr, sondern Titel, unter denen man sich was vorstellen kann: Der verwunschene Baum, Reise durch die Nacht, Flamenco, Schlittenfahrt… Jeder wollte über sein Stück sprechen und das, was er sich darunter vorstellt. Und das ist immer das beste Zeichen: wenn man diese Art der Verbindung hat, sich etwas zu eigen macht, indem man ihm Zutritt  in seine persönliche Phantasiewelt gibt, identifiziert man sich damit und übernimmt Verantwortung dafür. Und dann vergisst man auch nicht, es liebevoll zu üben. Was für ein Gewinn für uns Lehrer.

Magnolienmeer

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Der Arbeitsplatz des Gatten im Moment, beziehungsweise der Blick aus den Fenstern im ersten Stock: in einem uralten Haus in Wasserburg, mit Blick auf die uralte Kirche, der im Moment verdeckt wird von hunderten von handtellergrossen rosanen Magnolienblüten. Man hat das Gefühl, direkt im Baum zu wohnen, wie eine Baumelfe. Sieht die Blüten fast ans Fenster rücken und zart anklopfen, wenn sie sich leicht im Wind bewegen.

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Dafür, dass ich das alte, immer mehr Risse bekommende Haus mit den knarzenden Holztreppen und den ausgesparten Nischen für Kienspanlichter in der Diele so mag, bin ich viel zu selten dort, obwohl es ganz zentral in der Altstadt liegt. Im zweiten Stock residiert zufällig unser Steuerberater, aber den beglücke ich auch viel zu selten mit Belegen und Quittungen. Obwohl ich weiss, dass er, wie immer, restlos begeistert wäre. Ausserdem sieht er die Magnolie eher von oben. Sie ist zwar riesengross und ausladend, die grösste ihrer Art in der Altstadt, aber er bekommt mehr die oberen Spitzen mit, die sich nach dem Himmel strecken. In den Räumen des Gatten ist man komplett untergetaucht in einem Meer von Magnolienblüten.

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Und ich musste mich auch selber daran erinnern, Schönheit vor der eigenen Haustür zu sehen. Am Wochenende sass ich auf der Terrasse, den wunderschönsten Frühling um mich herum, und habe mich in einen opulenten, altmodischen Bildband versenkt. Ein Traumbuch der Art, wie es heute gar nicht mehr gemacht wird: “Merchant Ivory’s English Landscapes”, die Filmkulissen und -orte der wunderbar romantischen Forster-Verfilmungen aus den späten Achtzigerjahren. Bei den meisten Zeitgenossen rufen sie wahrscheinlich Pickel hervor wegen zu viel Rüschen und Spitze. Für mich – genau richtig… Und da sass ich und seufzte über einen charaktervollen, ausladenden alten Baum im Abendlicht in Wilbury Park, träumte mich unter diesen Baum, der 1000 Kilometer weg steht und unerfreulicherweise auf Privatbesitz, als der Gatte so nebenbei bemerkte: “Die Magnolie unten blüht.”

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Deshalb habe ich mir die Kamera geschnappt und bin runter in die Stadt. Habe die Fensterbänke leergeräumt, die Rollwägelchen weggerollt und den Betrieb nur minimal aufgehalten, um Magnolienfotos zu machen. Dafür muss auch Zeit sein, oder? In diesen Räumen wird so viel dokumentiert, in Tabellen eingetragen, der Qualitätssicherung gehuldigt – wenn auch zähneknirschend  – da sollte auch mal festgehalten werden, wie makellos und malerisch die Magnolie dieses Jahr aussieht. Weil sie kaum einen Tropfen Regen abbekommen hat und genau das richtige Mass an Sonne hatte, um alle Blüten in einer gleichzeitigen Explosion wachzuküssen. Und man muss diese Schönheit festhalten, auf Fotos und im Gedächtnis, weil sie so extrem kurzlebig ist. In acht Tagen wird alles anders aussehen… Man muss wirklich jede Minute geniessen.